Der Graukopfstar                            

Hoffmann 33615

 

Gmelin 1789

 

Nach Howard & Moore:  Sturnia malabarica

Im AZ Lexikon zu finden unter: Temenuchus malabaricus

 

 

Englischer Name:        Chrestnut-tailed Starling, Malabar Mynah, Grey heated Mynah

Französischer Name:  Martin à tète grise

Holländischer Name:   Grijskopspreeuw

 

 

Systematik:

Die  systematische Eingliederung scheint für diese Starenart nicht so einfach zu sein. Wie so viele andere asiatische Starenarten wurden die Graukopfstare einfach in die Gattung Sturnus geführt, wo sie sicherlich nicht zugehören. Das Verhalten und das Aussehen der Vögel der Gattung Sturnus, weicht von den der Gattung Sturnia deutlich ab. Nach Howard & Moore werden die Graukopfstare in der Gattung Sturnia gelistet. Weiterhin werden dieser Systematik auch noch der Mandarinstar Sturnia sinensis, der Mongolenstar Sturnia sturnina, der Violettrückenstar Sturnia philippensis, der Andamanenstar Sturnia erythropygia und der Greisenstar Sturnia albofrontata geführt. In Gefangenschaft sind Paarbindungen mit dem Pagodenstar Temenuchus pagodarum beobachtet worden, welches auf eine Zugehörigkeit zur Gattung Temenuchus schließen lässt.

 

 

 Mandarinstar, ein naher Verwandter des Graukopfstar.

Unterarten:

Vom Graukopfstar sind drei Unterarten bekannt. Sturnia malabarica malabarica ist auf dem indischen Subkontinent beheimatet, während  malabarica blythii den südwestlichen Teil Indiens als Lebensraum bewohnt. Das Verbreitungsgebiet von malabarica nemoricola bildet Ostindien, Burma, Thailand, Laos, Kambodscha, Vietnam und Südwest China. Die Unterscheidung der Unterarten ist am Gefieder zu erkennen. Während malabarica eine kastanienbraune Brust und Bauchbefiederung aufweist, so ist bei der Unterart blythii die Kopfbefiederung mehr grau und weiß. Die Gefiederfärbung bei nemoricola  zeigt nur als seitlichen Anflug die kastanienbraunen Federn und das Gefieder erscheint heller. Bis Mitte der 90-er Jahre  wurden Graukopfstare importiert und es ist nicht auszuschließen, dass eine Vermischung der Unterarten stattgefunden hat. Ich möchte an dieser Stelle darauf aufmerksam machen, dass auch Mischlinge aus der Verpaarung von Graukopfstar x Mandarinstar  und Graukopfstar x Pagodenstar Temenuchus pagodarum hervorgegangen sind. Ein seriöser Züchter lehnt jedoch solche Verpaarungen ab und strebt die Reinhaltung der Arten und Unterarten an.

 

        

                                  Sturnia malabarica nemoricola                                             0,1 Sturnia malabarica blythii

 

Habitat und Lebensraum:

Graukopfstare bewohnen in Gruppen von 20 und mehr Vögeln, offenes Grasland mit verstreuten Baumgruppen und Sträuchern. Hier leben sie im Tiefland ebenso wie in offenen, schattigen Waldbeständen in Höhen bis zu 800 m. Beobachtet wurden sie aber auch in der Nähe menschlicher Behausungen und in frisch gepflanzten Baumplantagen. Die Vögel, die den südlichen Teil Indiens bewohnen ziehen im Sommer als Zugvögel auch in die nördlichen Regionen des Katmandu Gebirges.

Sturnia malabarica hält sich überwiegend in den Baumkronen auf und sucht gelegentlich Futter am Boden. Recht häufig sammeln sich Graukopfstare in blühenden Bäumen, um aus den Blütenkelchen Nektar und Pollen aufzunehmen.

Abends sammeln sich die Grauköpfe in Bäumen und schreiten gemeinschaftlich mit anderen Starenarten zur Nachtruhe.

 

Haltung:

Mit einer Größe von 19-20 cm ist der Graukopfstar ein angenehmer Pflegling welcher außerhalb der Brutzeit mit Mandarinstare, Mongolenstare und Pagodenstare zusammen gehalten werden kann. Eine gut strukturiert, bepflanzte Voliere mit unterschiedlich starken Ästen bietet den Grauköpfen viele Möglichkeiten ihr agiles Verhalten auszuleben. Ab und an wird der Pflanzenbewuchs mit einem Sprühschlauch bewässert und die Stare baden zwischen den tropfenden Blättern, was ihnen sichtlich Spaß bereitet. Hierbei wird ein zwitschernder Gesang vorgetragen. Das Badebecken sollte reichlich mit frischem Wasser gefüllt werden, welches alle Stare gerne für ihre tägliche Pflege nutzen. Gerne lassen sich die Graukopfstare kopfüber an dünnen Zweigen hängen und untersuchen die Blätter nach Kerbtieren. Werden jedoch Mehlwürmer oder die Eier der heimischen Ameise auf den Boden gestreut kommt der Graukopfstar schnell geflogen um etwas von der leckeren Beute zu erhaschen. Wie oben beschrieben, schreitet er nicht Futter suchend auf den Volierenboden, sondern fliegt mit der gefangenen Beute ins Geäst um sie dort zu verzehren. Bei der Unterbringung sollte im Winter ein beheizbarer Innenraum zur Verfügung stehen.

 

Fütterung:

Das Futter sollte vorzugsweise im  Innenraum gereicht werden. Als Grundfutter kann ein handelsübliches Fertigfutter für Weichfresser angeboten werden. Von meinen Vögeln wird gerne das Trockenfutter Alekwa Trockenmischung grob für Stare gefressen. Dieses Weichfresserfutter wird täglich mit Distelöl, Sanostol und Honig frisch angemischt. Weitere Nebenprodukte ähnlich der Mischung von Thomas Wendt (AZN 1/2007) kommen dabei zum Einsatz. Weiterhin wird der Futtermischung täglich Spirulina und Kalk sowie 1x wöchentlich Bird Bene Bac Pulver beigefügt. Um der Eisenspeicherkrankheit vorzubeugen sollte ein Weichfresserfutter mit einem Eisengehalt von 70 mg/kg oder niedriger bevorzugt werden. Folgende Obstsorten werden von den Graukopfstaren gerne genommen. Äpfel, Birnen, Trauben, Kiwi, Feigen, Apfelsinen und Mandarinen, wobei jedoch Bananen verschmäht werden. Die Frucht  „Kaki Sharon“ wird jedoch bevorzugt genommen. Holunderbeeren kommen ab Mitte August zum Einsatz und werden ebenfalls sehr gerne gefressen. Als Lebendfutter werden die Larven des Mehlkäfers, Getreideschimmelkäferlarven, diverse Grillenarten, Heimchen sowie die Larven und Falter der Wachsmottenraupe gereicht. Mit Vorliebe öffnen die Grauköpfe die Deckel der Drohnenbrut um an deren Larven zu gelangen. Tiefgefrorene Pinkys und Buffalos werden im gefrosteten Zustand mit Vitaminen und Spurenelementen versehen und im aufgetauten Zustand den Vögeln angeboten. So genanntes Wiesenplankton und die Eier der gemeinen Rasenameise werden scheinbar als Delikatesse genommen. Auch die Beute aus der Lichtfalle ist sehr begehrt. 

 

Zucht:

Die Brutzeit beginnt etwa Mitte April und schließt Ende Juli, Anfang August. In den letzten Jahrzehnten ist der Graukopfstar mehrmals nachgezogen worden. Die Gelegegröße besteht in der Regel aus 3-5 Eiern. In der Natur wurde der Standort der Nisthöhlen in einer Höhe von 3-12 m vorgefunden. Bei der Volierenhaltung kann z.B. ein Naturstammnistkasten zum Erfolg führen. Als Nistmaterial wird frisches Gras,  Laub, Kokosfasern, Hobelspäne, Heu, Stroh oder auch feine Würzelchen angenommen. Die Brutzeit liegt bei etwa 12-13 Tagen. Die Aufzucht, an der beide Altvögel beteiligt sind, beträgt weitere 21 Tage. Die Beringung kann am siebten Lebenstag mit 4,0 bis 4,3 mm Ringen vorgenommen werden. Zur Aufzucht müssen Mehlkäferlarven, Pinkys, Grillen, Getreideschimmelkäferlarven, Heimchen und Ameisenpuppen uneingeschränkt  gereicht werden. Es sollte jedoch auf eine gute Ernährung der Futtertiere geachtet werden. Vorteilhaft ist die Bepuderung mit einem Mineral- und Aminosäurengemisch. Sind die Jungvögel der ersten Brut flügge, beginnt das Weibchen meist mit der zweiten Brut, während sich das Männchen um die weitere Aufzucht der kleinen Graukopfstare kümmert.

 

Dieser Nistkasten wird von den Graukopfstaren gerne aufgesucht.

 

Zukunft:

Auch wenn die Zucht der Graukopfstare schon mehrfach gelungen ist, so ist diese Starenart nicht oft bei dem Vogelhaltern anzutreffen. Weder auf Vogelbörsen, noch im Internet werden derzeit diese Vögel angeboten. Es ist jedoch nicht nachvollziehbar, warum es bei dieser schönen Starenart zu einem Einbruch der Bestände gekommen ist. Die Zucht ist nicht die schwierigste, das Aussehen ist toll, die problemlose Haltung und vor allem das Verhalten zeigen die Vorteile der Graukopfstare auf. Nach dem Importverbot hat es sich die AZ-AEZ-Interessengemeinschaft Stare zur Aufgabe gemacht, so viele Starenarten wie möglich für die Vogelzucht zu erhalten. Hierzu benötigen wir jedoch die Mitarbeit aller Starenhalter, die sich mit dem Graukopfstar sowie aller Starenarten beschäftigen. Wer dazu beitragen möchte, den Graukopfstar in unseren Volieren zu erhalten, der meldet sich bitte unter Tel.: 02823/4489 oder E-Mail: hoffmann.stare@online.de

 

Literaturhinweise:

 

Starlings and Mynas / Christopher Helm Verlag London

Homepage der AZ-AEZ-IG Stare/  www.azvogelzucht-stare.de

Vogellexikon der AZ  www.azvogelzucht.de

Lexikon der Vogelhaltung / Dr.sc.Franz Robiller

 

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